Nackthafer - der Tausendsassa im „Adamskostüm“

Seinen Namen trägt der Nackthafer, weil sein ‚Kleid’, der Spelz, nicht mit dem Korn verwachsen ist und beim Dreschen vollständig abfällt. Nackthaferkörner müssen also nicht entspelzt werden. Dies im Gegensatz zum ‚bekleideten’ Spelzhafer, dessen Körner – sollen sie für die menschliche Ernährung verwendet werden – vor dem Abschälen der Spelzen gedämpft und getrocknet werden. Bei diesem Schälprozess verlieren die Spelzhafer-Körner ihre Keimfähigkeit. Beim Nackthafer ist sie grösstenteils vorhanden. Nackthaferkörner sind darum ideal für die Sprossenproduktion geeignet. 

Spelz- wie auch Nackthafer bieten einen erstaunlich hohen Gehalt an Eiweissen sowie gesunden Fett- und Bitterstoffen. Hafer enthält ausserdem viel Beta-Glucan, das sich als Stimulator und Aktivator unseres Immunsystems auszeichnet und den Blutzuckergehalt positiv beeinflussen soll.

Weil die Hafer-Mühlen aber meist nur den ertragreicheren Spelzhafer verarbeiten, ist der Anbau des Nackthafers selten geworden. Die unbespelzten – oder eben nackten – Körner bescheren dem Bauern auch ein gewisses Risiko. Vor allem bei feuchter Witterung und vor der Erntezeit sind die nackten Haferkörner anfälliger auf Pilzkrankheiten oder auf die Entwicklung von sogenannten „Kümmerkörnern“.

Die Biofarm kauft ihren Nackthafer aus dem Münstertal GR bei Gran Alpin (Bündner Vereinigung zur Förderung des Bergackerbaus). Die Aussaat erfolgt im Frühling nach der Schneeschmelze, sobald der Boden abgetrocknet ist. Meistens kann erst im September geerntet werden, also ein bis zwei Monate später als im Unterland. Im Gegenzug dazu kommt das zu einem späteren Zeitpunkt reifende Berggetreide in den Genuss der intensiveren Sonnenbestrahlung. Es speichert somit mehr und intensiveres Sonnenlicht als in den Niederungen – und damit auch volle Kraft und Energie.

In einem von Bio Suisse mitgetragenen Projekt führt die Biofarm Sortentests an unterschiedlichen Standorten in der Schweiz durch.