Produzentenliste
 
Seit 35 Jahren aktiv.
Bruno Martin


Dorfstrasse 63
2514 Ligerz

032 315 14 18
032 315 14 18


mb.martin@biovin-martin.ch
www.biovin-martin.ch
     

Die Reben wachsen allesamt am Bielersee, in Ligerz, Schafis und La Neuveville. Eine speziell gute Reblage. Bioweinbauer Bruno Martin bewohnt ein fast 400-jähriges Winzerhaus mit Naturkeller in Ligerz. Martins Weine gibts von Biofarm.


Die Lage ist idyllisch. Auch wenn zwischen dem Gartensitzplatz und dem Wohnhaus an der mit Natursteinen belegten Ligerzer Dorfgasse eine Strasse und eine Eisenbahnlinie hindurchführen. Der See liegt zu Füssen. Der Blick ist frei auf die Petersinsel. Am Hang wachsen Reben bis zum angrenzenden Wald. Nur die Kirche erhebt sich als Bauwerk majestätisch. Bruno Martin serviert Wasser. Den Wein trinkt er nur, wenn er degustiert. Sein Arbeitsrhythmus, sagt er, lasse Alkohol nicht zu.
Die Familie Martin ist seit Generationen im Weinbau tätig. Bruno Martin erinnert sich, wie er als Kind oft mit den Grosseltern zusammen war. Sie hatten neben den Reben auch Kühe. Dort, wo heute der Onkel an der Dorfgasse wohnt, war ein Stall. «Der Grossvater war zwar ein bisschen stur, aber er hat mich immer fasziniert. Er trug einem den Hang hinauf in die Reben. Wir setzten uns und er erzählte einem viele Dinge. Man konnte ihm alle Fragen stellen, mit ihm tagelang zusammen sein und die Zeit vergessen. Bei ihm durfte ich auch schon sehr früh die Reben schneiden.» Nicht unbemerkt hat Bruno Martin die Diskussionen miterlebt, die der Grossvater mit seinem Vater zum Thema Kunstdünger- und Herbizideinsatz führte. «Grossvater wollte keinen Kunstdünger, auch kein Unkrautvertilgungsmittel. Man hatte das Gefühl, er sei einer, der sich gegen die neumödische Zeit wehrte, und er hat sich solange gewehrt, bis er endlich Recht gefunden hat», ist Martin überzeugt. Denn bei den Reben sei es wie in der Mode, nach 30 Jahren ist dasselbe Kleid wieder in.

Fassküfer
Bruno Martin lernte zuerst Fassküfer in Berneck. Parallel dazu besuchte er die Fachschule für Weinbau und schloss als Önologe ab. Trotzdem war das Arbeiten im Keller und der Weinhandel auch später nie sein Ding. In seinem Keller arbeitet er mit den Partnern und Biowinzern Florian Vetsch aus Twann und Peter Kull aus Ligerz zusammen. Den Weinhandel hat Monika Martin aufgebaut. Die Arbeit als Fassbauer dagegen liegt ihm sehr. Davon zeugen auch seine eichenen Holzfässer im Keller mit einem Fassungsvermögen bis zu 4500 Liter. Er hat sie selber gebaut.

Marathon- und Langläufer
Während der Ausbildung in der Ostschweiz hatte Martin viel Sport getrieben. Marathon und Langlauf sind seine bevorzugten Sportarten. Als er nach der RS wieder zurück an den Bielersee kam, passte er hier nicht mehr so recht hin, erzählt Martin gegenüber bio.logisch. Er wollte sich nicht mehr einfach anpassen. «Ich habe auch die Entwicklung des Biorebguts Vully mitverfolgt. Der dortige Rebbauer kam jeweils in die Brennerei des Vaters, um Kompost zu holen. Dort hat man ihn immer ein bisschen belächelt. Da wuchs bei mir das Gespür für Ökologie. Ich wollte nun selber Verantwortung tragen und Rebbauer sein. Vater jedoch wollte seine Parzellen nicht abgeben. 1981 konnte ich die Parzellen der Grossmutter erwerben.» Martin verzichtete, wie schon der Grossvater, auf den Einsatz von Herbiziden und Akariziden. Später begrünte er die Rebparzellen. Ab 1989 stellte er um und ab 1991 liess er den Rebbau biologisch zertifizieren. Am meisten Probleme machten die Helikoptersprühflüge auf den benachbarten Parzellen. Es gab immer wieder Abdrift, manchmal auch durch blossen Wind.
Heute sind nun alle seine Parzellen biologisch. Martin hat inzwischen die Meisterprüfung absolviert und sich in verschiedenen Bioweinbau-Fachkommissionen engagiert. Seine Böden sind mit Kompost versehen, sind dauerhaft begrünt, können damit gut Wasser speichern und haben ein organisches Nährstoffangebot.

Biofarm bedient die Läden
Der Verkauf des Bioweines liess sich sehr gut an. Zwar wechselte nach der Umstellung rund 80 Prozent der Kundschaft, denn die einen waren nicht bereit, den Mehrpreis von zirka 80 Rappen pro Flasche zu bezahlen, und die andern wollten einfach keinen Biowein kaufen. Heute hat Martin sehr viele gute Abnehmer in der Region und zahlreiche Hoteliers aus der ganzen Schweiz schätzen die Qualität seiner Weine. Für die Bedienung der Bioläden, Reformhäuser und Detaillisten arbeitet Bruno Martin seit 2002 mit der Biofarm zusammen. Aus Ligerz sei die grossflächige Belieferung damit optimal zu bewerkstelligen, sagt Martin und freut sich, dass fachkundige WiederverkäuferInnen und LiebhaberInnen von Schweizer Bioweinen sein Weinangebot zu schätzen wissen.

Spezielle Sorten
Speziell ist nicht nur die Reblage hier am Bielersee. Speziell ist vor allem die Art und Weise, wie die Weinbauernfamilie von Bruno Martin die Trauben verarbeitet. «Die Weine haben extrem wenig Schwefel und sie sind trotzdem stabil. Das geht nur, wenn man die Trauben erntet und innert 12 Stunden verarbeitet. Dies ohne grosse mechanische Belastung und ohne Schönungsmittel. Seit letztem Jahr arbeiten wir auch beim Weisswein ohne Enzyme. Das halten viele Weinbauern für unmöglich», sagt Martin. Wichtig sei dabei die richtige Sortenwahl. Martin setzt mehrheitlich auf resistente Sorten und auf solche, die am Markt nicht verbreitet sind. Wie Regent, Léon Millot, Maréchal Foch, Seyval-Blanc, Muscat-Bleu oder Johanniter. Speziell ist auch, dass der Wein ausschliesslich in Holzfässern gelagert wird. Derzeit sind die Fässer allerdings leer. Der Wein ist bereits abgefüllt, denn die letzte Ernte wurde zum grossen Teil verhagelt. Arbeit steht aber in anderer Hinsicht bevor, denn die Gemeinde Ligerz hat beschlossen, die Rebbaugüter zusammenzulegen. Davon sind auch grosse Teile der Parzellen von Bruno Martin betroffen. Er wird neue erhalten und Teile seiner Bioparzellen abtreten müssen. Kein Zweifel: Ein Neuanfang mit Umstellung und Mehrarbeit steht dem Biorebbauern in ein paar Jahren bevor.